Venedig und der ewige Kampf gegen die Adria
(Destinationen)Venedig gilt mit bis zu 15 Millionen Touristen und 10 Millionen Übernachtungen pro Jahr als die am meisten besuchte Stadt der Welt - mit weitem Abstand zu Städten wie Rom, Madrid, Barcelona, London, Paris oder Berlin. Die über 180 Brücken in Venedig oder Sehenswürdigkeiten wie der Markusplatz und die Rialto-Brücke schaffen mehr als genug Anreize für eine Italien Städtereise an der Adria. Venedig Städtereisen in Italien haben immer Saison, nicht nur während des weltberühmten Karneval in Venedig. Hinzu kommt die einzigartige Lage der Stadt inmitten einer Lagune an der Adria, die Venedig ein weltweites Alleinstellungsmerkmal sichert. Ausgerechnet das Meer entpuppt sich seit einigen Jahren als ernstzunehmende Gefahr für Venedig, an weit über 100 Tagen pro Jahr werden weite Teile der Stadt vom berüchtigten "Acqua Alta" heimgesucht, wie das Hochwasser in Venedig genannt wird.
Die Ursachen hierfür sind einerseits im weltweit steigenden Meeresspiegel zu sehen, sind andererseits aber auch hausgemacht. Um Venedig für die Schifffahrt besser zugänglich zu machen, wurde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts damit begonnen, den Boden der Lagune vor Venedig abzusenken. Heute profitiert Venedig zwar durch die Kreuzfahrten von dieser Maßnahme, auf Sicht droht die Lagunenstadt jedoch langsam aber sicher in der Adria zu verschwinden. Die Häuser in Venedig sind ausnahmslos auf Holzpfählen errichtet, Straßen werden durch Kanäle ersetzt, Autos durch Gondeln. Diese Besonderheiten machen den Reiz von Venedig Städtereisen aus, auch wenn das Preisniveau in den Hotels relativ hoch ist. Viele Touristen buchen ihr Hotel daher lieber auf dem Festland, etwa in Mestre, das nur fünf Kilometer von Venedig entfernt liegt.
Das größte Problem bleibt jedoch das Hochwasser in Venedig. Mit einem ambitionierten Projekt namens MOSE, das als Abkürzung für "modulo sperimentale elettromeccanico" steht und bereits im Jahr 2004 begonnen wurde, soll Venedig gerettet werden. Dabei werden 79 Schleusentore auf dem Boden der Adria vor Venedig verankert, die bei drohendem Hochwasser die Fluten aus der Stadt fernhalten sollen. Als Hauptkritikpunk von MOSE gilt neben den enormen Kosten vor allem die befürchtete Zerstörung des Ökosystems rund um Venedig, da es sich dabei um einen massiven Eingriff in die natürliche Umgebung der Lagune handelt. Mit der Fertigstellung von MOSE wird in Venedig ohnehin frühestens im Jahr 2014 gerechnet.
Kai Rebmann
Foto: Kai Rebmann
Datum: 18.06.2010
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