Aero - Strandkabine in Ærøskøbing
Aero - Strandkabine in Ærøskøbing

Perlen der Südsee

Im Norden liegt Fünen, im Osten wacht Langeland, im Westen fängt Als die rauen Winde ab, im Süden liegt das Festland von Schleswig-Holstein: Wenn man in Dänemark von der "Perle der Südsee" spricht ist nicht unbedingt eine Insel im fernen Pazifik gemeint. "Perle der Südsee" wird die Insel Ærø (gesprochen: Ärö) genannt, Perle der dänischen Südsee. Wie sie da am südlichen Rand des Kleinen Belts liegt, erinnert sie mit ihrer Form an die Südspitze Italiens - ein Stiefel im Meer. Mit dem kleinen Unterschied, dass Ærø bis vor 150 Jahren noch aus zwei Inseln bestand. Erst nach der Aufschüttung eines Dammes verlandete die Meerenge bei Marstal. Heute liegt in der Senke der Inselflughafen.

Ærø ist lang gestreckt, wie auf einer Kette aufgereiht liegen die Dörfer auf einem Endmoränenrücken, zu beiden Seiten fallen die Flanken sanft zum Wasser hin ab. Ecken und Kanten sucht man vergebens, alles ist rund und sanft und so kuschelig, wie man es von einer Südsee-Idylle erwarten kann. Und Ærø ist Idylle durch und durch. Sieht man einmal von den Klippen von Voderup auf der Westseite ab. Drei Kilometer lang und bis zu 30 Meter hoch ist die Steilküste, deren Untergrund hauptsächlich aus Lehm besteht. Ihre eigentümliche Treppenform verdankt die Urlandschaft, die in der vorletzten Eiszeit entstand, Erosionen des in mehreren Schichten abgelagerten Lehms. Die Steilküste steht unter Naturschutz, darf aber trotzdem bewandert werden. Im Frühsommer kann man an lauen Abenden den seltenen Glockenfrosch seinen seltsamen Schrei ausstoßen hören: Sonst beinahe ausgestorben hat er hier ein Refugium gefunden.

Fachwerkhaus bei FünenÆrø war schon immer eine Insel in einer besonderen Lage. Wie eine Prinzessin wird sie von allen Seiten beschützt. Im Norden liegt Fünen, im Osten wacht Langeland, im Westen fängt Als die rauen Winde ab, im Süden liegt das Festland von Schleswig-Holstein. Wie die vier Türme einer Festung bewachen sie den kostbaren Schatz in ihrer Mitte. Die Idylle. Einerseits. Zum Beispiel die Altstadt von Ærøskøbing, der alten Handelszentrale der Insel. Viele Häuser, verwinkelt, verhutzelt, wie hingeduckt unter dem Ansturm der Zeit, sind mehr als 300 Jahre alt. 1629 zerstörte ein Brand alle Häuser. Zerstörungen anderer Art hat Ærø nie erlebt. Das Schmuckstück der Stadt, die Paradestraße, ist die Vestergade. Hier stehen die ehemaligen Kapitänshäuser Seite an Seite, gut zu erkennen an den hervorspringenden Mittelteilen. An der Vestergade liegt auch eines der schönsten Hotels Dänemarks, Ærøhus. Ein prächtiger Backsteinbau mit Fachwerkelementen und einem schönen Innenhof. Vorsicht aber vor den Appartements in Flachbauweise, die sich hinter dem Hotel versteckenhier verbergen sich die letzten Reste der Moderne der siebziger Jahre, die heute ein wenig muffig wirkt. Von der Vestergade geht es links ab in die Søndergade. Nach wenigen Metern, vorbei an perfekt restaurierten Hutzelhäuschen, erreicht man den Markt, Torvet, mit seinen beiden Brunnenpumpen. Bis 1952 wurde hier Wasser geschöpft. Eines der ältesten Häuser Ærøs steht in der Søndergade 32, Priors Hus aus dem Jahr 1690, benannt nach dem letzten Eigentümer, bevor es der Architektenverein Dänemarks übernahm. Jetzt machen hier Architekten Urlaub und erholen sich von den schmucklosen Zweckbauten, mit denen sie in der Welt draußen ihr Geld verdienen müssen. Ein Unikum ist die Eingangstür. Sie wurde nach dem Einbau mit Ochsenblut übergossen, das im Laufe der Jahre mit dem Eichenholz eine dauerhafte Verbindung einging - die Tür hat nie auch nur einen Tropfen Farbe gesehen.

Yachthafen AeroeDie eigentliche Attraktion der Stadt aber ist die Flaskeskibssamling in der Smedegade 22. Über 1.700 Buddelschiffe hat Peter Jacobsen, genannt Flaske-Peter, bis zu seinem Tod 1960 gebaut. Jacobsen hatte für sein Grab ein Kreuz entworfen, das mit sieben Buddelschiffen geschmückt war. Die Kirchenleitung konnte sich allerdings nicht dazu durchringen, die Erlaubnis zur Aufstellung zu geben. Jetzt ist das Seefahrer-Kreuz im Museum zu sehen. Das Alte zu haben ist schön und gut aber es muss auch hin und wieder etwas Neues geben. Westlich des Hafens, gleich hinter dem großen Campingplatz, versucht sich das Restaurant "Strandskoven" mit einer Mischung aus dänischer und internationaler Küche auf durchaus gehobenem Niveau. Aus dem Rundbau mit seiner imponierenden Deckenhöhe hat man einen herrlichen Blick auf die See, in der Bucht ankern Yachten, und wenn die Sonne am Horizont versinkt, leuchtet der ganze Saal wie in Orange gebadet. Allein das ist schon einen Besuch wert.

Egal ob im Herbst, im Sommer oder im Frühling. Steht man hoch oben auf dem Inselrücken, liegt die ganze dänische Südsee einem wie gemalt zu Füßen. Hunderte von Segelschiffen kreuzen in dem Insel-Gewirr, Schwalben sirren in der Luft, Schwäne ziehen in langen Reihen vorüber, eine leichte, immerwährende Brise macht frisch und frei. Den besten Ausblick bietet der Leuchtturm Skjoldnæs Fyr an der nördlichen Spitze der Insel. 22 Meter ist er hoch, man bezahlt ein paar Kronen und steigt die Stufen des romantischen Gebäudes empor und danndieser Blick! Nichts als Wind und Wetter, Wasser, Wasser und Wasser und dazwischen wie hingetupft die Inseln der Südsee, oft nur von wenigen Menschen bewohnt. Næbbet, die Landspitze, und das Landstück, das sich hinter dem Fährhafen Søby bis zum Leuchtturm erstreckt, haben ihre eigene Atmosphäre. Urtümlich, befriedet und wie unbewohnt. Aber das ist natürlich eine Täuschung. Kein Stück Land auf Ærø wird der Natur so einfach ungenutzt überlassen. Denn die Insel wird im Gegensatz zu vielen anderen Insel der Südsee noch voll bewirtschaftet.

Quelle: FVA Dänemark / reise-reporter
Fotos: Ole Akhøj (oben), Cees van Roeden (mitte, unten) / FVA Dänemark

Foto: VisitDenmark


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