Kolosse von Memnon
Gegenüber der Stadt Luxor, auf der westlichen Seite des Nil, beginnt die Hauptattraktion für Ägyptenbesucher - das Totenreich der alten Pharaonen. Hier liegt Theben. Eigentlich gehörte auch Luxor zum "hunderttorigen Theben", das seinen Namen von den Griechen bekam. Der ägyptische Name war Waset.
Auf dem Weg zu den alten Grabstätten in Theben passiert man zunächst die Kolosse von Memnon. Die über neunzehn Meter hohen Steinstatuen sind die Überreste eines riesigen Totentempel - Amenophis III. Diesen Ort kennt man unter vielen Namen: Totentempel von Amenophis III, Memnoneion, Amenophium, Kawm al Hitan, As Sanamat, Al Qulussat. Derartige Totentempel gehörten zu jeder Grabanlage im alten Ägypten. In der Regel wurden die Totentempel in räumlicher Entfernung zur eigentlichen Grabanlage errichtet: In der weiten Steinebene vor den Thebanischen Bergen. Der Tempel des Amenophis III ist längst verfallen, seine Steine und das andere Baumaterial, das er liefern konnte, hat man schon vor langer Zeit für andere Bauwerke verwandt.
Wie Wachtposten stehen die beiden Statuen heute am Eingang zur Ebene. Die Griechen benannten Sie nach Memnon, dem bei Troja gefallenen Helden. Sie wurden bei einem Erdbeben 27 v CH schwer beschädigt. Aus dieser Beschädigung resultierte eine Eigenschaft, die die Beiden schon in der Antike zu Touristenattraktionen machte: Die nördliche der beiden Kolosse erzeugte bei Sonnenaufgang klagende Töne. Die Griechen sagten: "Memnon ruft seine Mutter!" Erst ein Reparaturversuch des römischen Kaiser Septimus Severus um 200 nach Christus setzte diesen schauerlichen Klängen ein Ende. Seit dieser Zeit ist auch die nördliche der Kolosse von Memnon ein stummer Wächter. Die Sockel der Memnon Kolosse sind übersäht mit Graffiti aus der griechischen und römischen Zeit - deutliche Zeichen des frühen Tourismus zu den Totenstädten der Ägypter. Und auch ein deutliches Zeichen dafür, das schlechtes Benehmen keine Erfindung der Neuzeit ist.
Bei Nilhochwasser standen die Kolosse von Memnon übrigens oft mit den Sockeln im Nil.
Foto: Dagobert Wiedamann
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